"1119. A. Napellus L. (Wahrer Eisenhut. — Blauer Sturmhut.)
Wurzelstock 1 — 3 rübenförmige, mit Fasern besetzte Knollen. Stengel 1,5 — 5' hoch, steifaufrecht, unterhalb nebst den Blättern kahl, oberhalb nebst den Blüthenstielen und Kelchen von kurzen, drüsenlosen Haarchen grauflaumig oder ganz kahl. Blätter steif, oberseits dunkelgrün, glänzend, unterseits blasser, matt, fuss- oder handförmig - 5 — 7theilig. Abschnitte im Umrisse rautenförmig, ein- bis mehrmal 2 — 3 spaltig mit linealen oder lanzettlichen, spitzen Zipfeln. Blüthen in endständiger Traube. Traube mehr minder verlängert, mehr minder gedrungen, einfach und walzlich oder kegelförmig, seltener am Grunde kurzästig. Kelche dunkelviolett, seltener purpurn, hellblau oder weiss, abfällig. Haube 5 — 7''' lang, schief-halbkreisrund, meist querbreiter. Nägel der 2 oberen Kronblätter fast in einem Halbkreise vorgebogen, mit wagrechter oder abwärts geneigter Kapuze. Mündung der Kapuze lippenförmig vorgezogen. Sporn der Kapuze etwas zurückgekrümmt, meist kopfförmig. Kapseln kahl, seltener flaumig, jung spreizend, zuletzt parallel aufrecht. Enthält unter allen Aconitarten am meisten Aconitin, ein scharf narkotisch, selbst tödtlich wirkendes Alcaloid. Die aus dem officinellen Kraute bereiteten Extracte und Tinctur werden häufig mit Erfolg gegen Gicht und Rheumatalgien, gegen Leiden der äusseren Haut, der lymphatischen Gefässe und der Nieren angewendet. Die Samen werden zur Betäubung des Zahnwehes in siedendes Wasser geworfen, über dessen Dämpfe man die leidende Seite des Gesichts hält. Die durch das wallende Wasser an die Oberfläche aufgeworfenen wurmähnlichen Samen, gaben Anlass zu dem Aberglauben, dass aus den hohlen Zähnen Würmlein herausfallen und getödtet werden. Daher der Name Apollonikraut von der Patronin gegen das Zahnweh.
Aug. — Sept.
Aendert in mannigfachen, ineinander verschwimmenden Formen ab, deren Grenztypen im Gebiete folgende 2 sein dürften.
- α neubergense. (A. neubergense Aut. — A. neomontanum Wulff, non Willd.)
Stengel 3 — 5' hoch, reich- aber locker beblättert, oberwärts sammt Blättern, Blüthenstielen und Kelchen grauflaumig. Blüthenstiele steif-abstehend. Traube 1 — 1,5' lang, reichblüthig, unterhalb locker. Helm geschlossen, halbkugelig, Lippe der Kapuze zurückgerollt. Sporn kopfförmig. Staubfäden behaart.
- β tauricum. (A. tauricum Wulf.) Stengel 0,5 — 1' hoch, unterhalb nackt, von der Mitte bis zur Traube gedrungen-beblättert, durchaus kahl. Blüthenstiele aufrecht, an die Spindel sich anlegend. Traube 2 — 4" lang, sehr gedrungen, oft kopfförmig verkürzt und von den obersten Blättern etwas verdeckt. Helm geschlossen, halbkugelig. Lippe der Kapuze kurz. Sporn nicht kopfig. Staubfäden behaart.
An constanteren Mittelformen kommen vor:
- I. Mit kopfförmigen Spornen und behaarten Staubfäden:
1. A. eminens Reich. Blüthenstiele abstehend. Lippe der Kapuze sehr lang.
2. A. multifidum Reich. Blüthenstiele aufrecht-abstehend. Blätter kreisförmig mit spreizenden Abschnitten.
3. A. pyramidale Mill. Blüthenstiele aufrecht - abstehend, länger als die Blüthen.
- II. Mit kopfförmigen Spornen und kahlen Staubfäden:
4. A. Hoppeanum Rchb. Helm kegelförmig-vertieft. Blüthenstiele aufrechtabstehend, kürzer als die Blüthen. Lippe verlängert. Blätterabschnitte schmal.
5. A. angustifolium Bernh. Helm halbkugelig. Lippe 2 spaltig. Blätterabschnitte abstehend - feinzerschnitten.
- III. Mit kopflosen Spornen und behaarten Staubfäden:
6. A. formosum Rchb. Helm kahnförmig, offen. Blüthenstiele aufrechtabstehend, entfernt, kürzer als die Blüthen. Lippe gestutzt.
7. A. hians Rchb. Helm bogig offen, geschnabelt.
- IV. Mit kopflosen Spornen und kahlen Staubfäden:
8. A. Koelleanum Rchb. Helm geschlossen halbkugelig, fast geschnabelt. Blüthenstiele aufrecht, an die Spindel sich anlegend.
Auf Bergtriften, an feuchten Abhängen, in Auen und an Flussufern, vorzüglich aber auf Kalkvoralpen und Alpen.
- α Die gemeinere Form auf Hochmooren des Dreisesselberges und des Hochfichtet bei Unterschwarzenberg im oberen Mühlkreise (Hein). In Auen der Traun zwischen Zizlau und Ebelsberg in Gesellschaft von A. variegatum, bei Ruetzing.
- β Alpenform. Auf grasigen Jochen, besonders um die Sennerhütten, bis 6000' aufsteigend. Im Krummholze der Stoder und Spitaleralpen, massenhaft auf der Schedlbauern- und Gradalpe bei Michldorf, angesiedelt an den Ufern der Krems, Laudach, Traun. Um die Almhütten am Saarstein, am Dachsteingebirge, am Kranabittsattel, meist truppenweise.
Die Mittelformen mehr vereinzelt und zufällig, z. B. A. Koelleanum und formosum am Steingebirge des Attersees, am Schafberge, am Höllengebirge. A. multifidum und pyramidale am grossen Priel, am Warschenegg.
A. eminens am Almkogel, am Sensengebirge, hohen Nock, am Kaibling bei Michldorf, in Auen der Steyer bei Steyr (Bayer). A. angustifolium am Kranabittsattel, Leckengebirge. A. Hoppeanum am Schönberg." |